Vattenfall Cyclassics 2011

2011 fuhr ich zum ersten Mal auf die Cyclassics nach Hamburg. Thomas und Klaus, zwei Freunde und „alte Hasen“, nahmen mich mit. Die Masse der Radfahrer, die Messe der Anbieter an der Alster, das ganze Kaleidoskop von Marken und Artikeln – ein Panoptikum der Bikewelt – ich war begeistert!

2011 war für mich vom Training her allerdings ein problematisches Jahr gewesen. Wir waren umgezogen und ich hatte so gut wie keine Zeit gehabt, mich vorzubereiten. Thomas erzählte mir vom „Besenwagen“, der dich aufsammelt, wenn du eine gewisse Durschnittsgeschwindigkeit unterschreitest (25 km/h). Da war ich mir nicht ganz sicher, ob ich das schaffen würde. Thomas machte mir aber Mut und sagte: „Deine normale Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht sich im Pelotron, also mit vielen Radfahrern vor und hinter dir, um drei bis fünf Kilomenter.“ Allerdings konnte ich mir das nicht so richtig vorstellen. In Hessen war ich schon zweimal Hessencup Jerdermannrennen mitgefahren. Das waren ziemlich einsame Übungen, wo ich nur ganz kurze Strecken bei jemandem im Windschatten fahren konnte. Hier in Hamburg sollte das anders sein? Jedenfalls setzte ich mir das Ziel, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 30 km/h zu schaffen. Das war das Höchste, was mir einfiel – ein Ziel, das vielleicht zu schaffen war, aber auch wirklich alles fordern würde.

Das Rennen (100 km) kam. Ich erlebt zum ersten Mal diese Massenstarts mit mehr oder weniger fokussierten oder nervösen Leuten um dich herum. Das Scharren und Klacken nach dem unhörbaren Start, das wie ein Windstoß durch die Reihen geht, wenn die Vorderen ihre Klickschuhe einrasten und anfahren. Die ersten Meter, wo du froh bist, wenn sich die enge Meute langsam auflöst und du Fahrt aufnimmst.
Thomas sagte: „Fahr am Anfang langsam und steigere danach.“ Daran habe ich mich gehalten. Dennoch wusste ich, dass beim damaligen Stand der Powercut nach 60km kommen würde. Und er kam. Gut war, dass die Verpflegungsstation bei paarundfünfzig Kilometern kam. Das half. Aber bei 80km riss ich merklich ab. Ich konnte nicht mehr. Bei 90km kam der Krampf in der rechten Wade.

Zwei Erfahrungen gaben mir Motivation: Einmal hatte ich diesen Punkt schon so oft erlebt. Du bist bei einer beachtlichen Durchschnittsgeschwindigkeit und auf einmal kommt diese Phase und du kannst nicht mehr. Ok, denke ich dann. Scheiß‘ was drauf. Ich bin über 45 und muss mir nichts mehr beweisen. Ich fahre einfach weiter. Und beim Weiterfahren merke ich: Es geht eben doch! Und zweitens diese Hamburger Zuschauer: Wirklich überall standen die, es gab kaum mal Strecken, wo keiner stand. „Ihr seid Helden!“, wird da gerufen. „Super! Weiter so!“ Also, ich war dermaßen motiviert durch diese aktiven Zuschauer und dachte: Stehen die wirklich den ganzen Tag da und rufen: Ihr seid Helden!? Das sind doch selber welche!

Dann kam die Zieleinfahrt. Ehrlich gesagt wusste ich nicht so genau, wo die Ziellinie war. Das war ein wenig schräg. Aber es war halt Innenstadt, unverkennbar Schlussspurt. Und ich gab alles, wirklich alles. Ein dickes Mädel hat mich auf den letzten Metern überholt, was ich mit aller Kraft zu verhindern suchte. Zwecklos. Da war nix mehr drin. Die bog dann eh nach links ab zu den 150 km … ☺ Wie auch immer, es war Emotion, Adrenalin, Flash pur, der reine Wahnsinn.
Ich weiß noch, wie ich nach dem Absteigen durch die Menge am Ziel irrte, nur wusste, du musst jetzt was trinken und mich irgendwo mit einem Bier auf einen Bordstein setzte, mit mir und dem Universum im Reinen.

Die Adelung war noch, dass ein Mitarbeiter von http://www.roadbike.de  um die Ecke kam und mit mir ein Interview machte. Das Foto in der Extraausgabe zu den Cyclassics habe ich leider nie gesehen. Egal. Jedenfalls hat der amtliche Transponder an meinem Fahrrad 30,3 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit gemessen. Ich war happy.

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