Rennradhaltung

Für viele – gerade Ältere – ist die Rennradhaltung ein Grund, das Rennrad zu meiden. „Das tut dem Rücken nicht gut!“, hört man, oder „Das ist zu anstrengend!“ Ich kann beides verstehen, aber nicht bestätigen. Im ersten Jahr konnte ich gerade mal 15 Minuten in der Rennradhaltung bleiben. Danach musste ich mich aufrichten, nicht selten mit einem lauten Stöhnen. Hört ja keiner … ;).

Die Offenbarung hatte ich ein Jahr später. Den ganzen Winter hatte ich pausiert. Bei meiner ersten Ausfahrt ging ich in Rennradhaltung und siehe da – nach einer halben Stunde kein Aufrichten nötig und kein Stöhnen. Erkenntnis: Der Körper gewöhnt sich auch in meinem Alter (damals 48) an neue Herausforderungen! Es geht vielleicht nicht so schnell, wie ich mir das wünsche. Der Körper braucht vielleicht auch mal einen Winter, um aufzubauen. Aber es geht! Ich kann aufbauen! Das hat mich unglaublich motiviert. Es hat mir die Kraft gegeben dran zu bleiben, wenn es mal schwierig wurde. Denn ich wusste, der Körper braucht Zeit, dann baut er auf.

Ich erinnerte mich an ein Experiment, das ich einmal in einem Vortrag des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer gehört hatte. Da legte man Eulen ein Prisma um die Augen, so dass sie ihr Gesichtsfeld mit 30 Grad Veränderung sahen. Beim Anflug an das Nest ging das natürlich schief. Die jungen Eulen schafften es nach ein paar Versuchen, die alten konnten die Veränderung neuronal nicht mehr durch Umschaltung „lernen“. Allerdings: Wenn die alten Eulen erst ein Prisma mit 10 Grad bekamen und dann noch eins und noch eins – dann schafften sie es! Moral: Auch die alten Eulen lernen, aber halt langsamer und Schritt für Schritt.

Und so lernen auch alte Eulen (der körperliche Alterungsprozess beginnt ja schon Anfang 20), sich in der Rennradhaltung wohl zu fühlen. Heute, nach fünf Jahren Rennrad-Erfahrung, beginnt der erste Impuls sich aufrichten zu müssen nach ca. 1 1/2 Stunden: Kurz stehen im Rad, das Becken lockern, dann geht es gut weiter. Rückenbeschwerden habe ich keine. Nur manchmal, wenn ich den ganzen Tag sitze und keine Zeit zum Radeln finde …

Was sind deine Erfahrungen mit der Rennradhaltung oder Rückenproblemen beim Rennradfahren? Schreibe einen kurzen Kommentar! Vielleicht hilft es anderen!

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5 Kommentare

  1. 2004 nach einer fußballtorwart in der unterliga auf’s rennrad gewechselt… ja. zu beginn war die position nicht zu halten… steifigkeit… bis ich damals halbwegs eine posi gefunden hatte, die mir gefiel… ewig. 2006, glaube ich. ab 2007 dann ein neues rad, ab 2008 im winter querfeldein, 2010 einen zeitfahrer… nach trainingsumfang schwankt auch die körpereigene akzeptanz der sitzposi… mal länger, mal kürzer, so 1-1,5 cm in der sitzlänge schwanke ich zw. winter und mitte der straßensaison. und am zeitfahrer… hier habe ich sie noch immer nicht gefunden, die posi 😉 die anzahl der ungebrauchten vorbauten in der kiste erzählt auch ein wenig von der geschichte.

    rückenprobleme durchs radfahren hatte ich fast nie.

    mein tipp für ausfahrten: zwischendurch mal lockern, wiegetritt fahren oder sonst irgendwie herumhampeln 😉

    1. Du schreibst: so 1-1,5 cm in der sitzlänge schwanke ich zw. winter und mitte der straßensaison. und am zeitfahrer…
      Kannst Du das noch etwas präzisieren, bitte? 🙂

  2. im winter fahre ich am cyclocrosser ca. 51 cm als sitzlänge (wobei ich diese nicht korrekt messe: ich messe sattelspitze bis mitte oberlenker – auf direktem wege und nicht horizontal). im herbst am straßenrenner (bzw. meinen 2en) ist selbige distanz 53 cm lang. da die überhöhung gleich ist, für mich ein gutes vergleichsmaß. ich mach das nicht „absichtlich“, wenn ich vom crossfahren auf das straßenrad umsteige, möchte ich dann irgendwie länger bzw. kürzer sitzen. dazwischen liegen sattelverstellungen und einige vorbauwechsel 😉 am zeitfahrer habe ich meine position noch nicht vermessen…

    1. Interessant! Vielen Dank!

  3. […] beim Rennrad sagen viele, die später anfangen: Ich bin zu schwer! Oder: Die Rennradhaltung macht mir zu schaffen! Was das Gewicht angeht: In den vergangenen 8 Jahren habe ich ca 1o bis 12 […]

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