Tritttechnik I

„Rund treten und gleichmäßig“ – das sei das Maß aller Dinge. So oder ähnlich schnappt man hier und da Geheimtipps auf.

Folgende Entdeckung hat bei mir zu einem beträchtlichen Fortschritt geführt: Denke beim Treten nicht „Bein runter“, sondern „Kraft aus der Körpermitte“. Wie bitte?

Folgendes war passiert: Nach längeren Fahrten spreizte ich die Knie beim Treten etwas nach aussen, um mich zu lockern. Die Entdeckung war, dass die Geschwindigkeit zunahm und die Herzfrequenz (HF) runter ging. Es trat also gleichzeitig eine Entspannung und bessere Kraftübertragung ein. Dieses Phänomen erkläre ich mir so:

Jeder Anfänger, der Radfahren hört, denkt Beinmuskeln. Du sitzt auf dem Radl, strengst dich an, trittst die Pedale nach unten. Das aktiviert hauptsächlich deine Oberschenkel-Muskeln. Die allein sind aber nicht für die Kraftübertragung und damit für die Effizienz deiner Anstrengung verantwortlich. Das sogenannte Treten ist ja eigentlich eine Drehung im Kreis mit zwei Antriebshebeln. Physikalisch ideal sind da viele kleine, wohldosierte Schübe wie bei einem Zahnrad und nicht ein Schub pro Drehung mit viel Kraft, wie wenn du auf dem Spielplatz ein Karussell anschubst. Das ist das sogenannte „rund Treten“. Der erste Schritt dahin ist der, dass du beim Treten aufhörst zu denken: Bein runter. Du musst vielmehr aus deiner Körpermitte heraus beide Beine in einen ziemlich komplexen Bewegungsablauf versetzen. Damit werden eine Vielzahl von Muskeln aktiviert, die in deinem Rumpf sitzen. Die Pilates-Anhänger nennen das „Power-House“.

Joseph Hubert Pilates war ein Düsseldorfer, der am eigenen Körper entdeckt hat, wie wichtig die Rumpfmuskeln für die Kontrolle und die richtige Haltung bei jeder Art von Sport ist. Daraus entwickelte er Übungen, die besonders für Berufstänzer eingesetzt wurden, die bekanntlich oft unter Rückenproblemen leiden. Damit musst du dich ein wenig beschäftigen. Das Internet bietet einen Ozean von Material. Es gibt auch jede Menge Radsport-Profis, die Pilates einsetzen. Hier eine kurze Einführung. Ich habe mir für den letzten Winter eine Reihe von 10 Übungen zusammengestellt aus kurzen Clips wie diesem. Natürlich gibt es auch jede Menge Fachliteratur. Mein Tipp, bevor du viel liest: Fange einfach an und denke dich in deinen Körper hinein. Mache besonders Übungen, die deinen Schwachpunkt stärken. Der zeigt sich an Schmerzen in deinem Rücken, wenn du intensiv Rad gefahren bist. Bei mir ist es ein Punkt links unter meinem Hals auf der Rückenseite. Durch Pilates ist es schon viel besser geworden.

Pilates hilft dir, Bewegungen aus deiner Körpermitte heraus zu steuern und Bewegungen von dort her „zu denken“. Das ist die Grundlage für eine richtige, weil runde und gleichmäßige Tritttechnik.

Pilates hat mir auch in der Atemtechnik auf dem Rad geholfen (in den Bauch atmen, nicht in den Brustkorb) und bei der Haltung der Schultern (Schultern nach unten fließen lassen, nicht verspannen oder nach oben ziehen).

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2 Kommentare

  1. […] hilft mir außerdem, aus der Mittel heraus zu fahren. Darüber habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Aber vielleicht interessiert es dich zu erfahren, dass ich das weiter – aus meiner […]

  2. […] II https://knurpselknie.wordpress.com/2014/05/01/tritttechnik-ii/ oder auch den Artikel Tritttechnik I https://knurpselknie.wordpress.com/2014/05/01/tritttechnik-i/ Dort habe ich den runden Tritt zerlegt in drei Abschnitte wie beim Wankelmotor: Tief, lauf, […]

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