Was bei einem Radrennen alles schiefgehen kann …

Vattenfall Cyclassics 2015

Vattenfall Cyclassics 2015

Denke über ein Rennen als ein System in Balance, ein emfpindliches Mobile. Alles muss gleichzeitig stimmen und gelingen – körperliche Verfassung, technische und praktische Details, mentale Einstellung. Sonst ist ganz schnell alles nichts.

  • Es nützt nichts, wenn du viel trainiert hast und in Topform bist, aber leider am Vorabend aus Aufregung oder Unwissen das Vorderrad falsch eingebaut hast. Dann funktioniert der Tacho nicht und du fährst dein Rennen nur nach Herz- und Trittfrequenz. Ein schmerzhafter Nachteil im Wettkampf.
  • Neue Reifen und Schläuche sind schön und gut. Aber was nützen sie, wenn du während des Rennens dreimal absteigen musst? Wer fürs Pinkeln absteigen muss, für den ist das Rennen vorbei.
  • Du hast viel Geld ausgegeben für ein neues Rad. Deine ganze Ausrüstung ist ein paar Kilo leichter. Leider war gerade vor dem Renntermin dein Beruf sehr stressig und du hast ein paar Kilo zugelegt. Dumm gelaufen …
  • Du hast sorgfältig deine Grundlagenausdauer aufgebaut und ensprechend „Körner in der Beinen“ – also Ausdauer und Kraft. Dummerweise bläst die ganze Zeit ein starker Seitenwind und du findest keine Gruppe, mit der du fahren kannst. Der Schnitt, den du dir vorgenommen hast, ist schon nach 50 km in weiter Ferne. Deine Kondition reicht nicht und du kämpfst irgendwo bei 27 oder 28 km/h auf verlorenem Posten.
  • Du hast einen neuen Tacho gekauft, aber vergessen, die Batterien in den Sensoren zu erneuern. Natürlich – beim Rennen geben sie ihren Geist auf. Und schon ist der neue Tacho wertlos.

Ich bin sicher – jeder von Euch, der schon mal Rennen gefahren ist, könnte diese Liste verlängern. Alle oben beschriebenen Zwischenfälle sind mir tatsächlich passiert. Vergiss‘ eine Sache und das Rennen ist gelaufen. Mache einen Fehler, dann ist alles nichts. Ein Rennen ist ein Mobile. Wenn alles stimmt und an Ort und Stelle hängt, dann ist es wunderbar: ein schwebendes Schmuckstück im Raum deines Lebens. Wenn nicht, hängt auf einmal Schrott am Haken. Und das kann dann richtig bitter sein.

Hier ein paar Tipps, die mir bei der Vorbereitung meiner Rennen helfen:

  • Für die technischen und praktischen Details habe ich eine Art Checkliste. Ich gehe Schritt für Schritt vom Rad über die Ausrüstung zum konkreten Ablauf.
  • Der Abend vorher ist der mentalen Vorbereitung gewidmet. Alle technischen Details sind (hoffentlich) erledigt. Ich gehe das Rennen durch und teile es in mehrere Abschnitte, z.B. 20 km nach dem Start, erste Steigung bis km 30 etc., lege Ziele fest für die einzelnen Abschnitte.
  • Vor allem stelle ich mir den Start vor. Wie aufgeregt bin ich? Wird es kalt sein morgens? Kann ich irgendwo nochmals austreten (danke, Leute, für die vielen Dixies neben den Startblöcken!)? Ich erlaube mir die Aufregung. Natürlich hängt vom Rennen nichts ab. Ich bin ein Jedermann. Trotzdem möchte ich mich messen. Ich darf aufgeregt sein. Ich genieße es.
  • Wie reagiere ich bei einem eventuellen Unfall oder einem anderen Missgeschick? Ein Rennen ist als System so fragil, dass einfach immer etwas passieren kann, womit man nicht gerechnet hat. Wie gehe ich dann damit um?
  • Noch ein wichtiger Punkt: Safer cycling. Ich will keinen gefährden. Ich will mich aber auch nicht abdrängen lassen. Wer mir zu nahe kommt, wird  angeschnauzt. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. (Ein Mitglied unserer Ü45-Gruppe, Dirk R., hat dieses Jahr einen schlimmen Unfall gehabt. Das muss doch nicht sein!)
  • Zum Schluss gehe ich zum Kern meiner Motivation: Warum fahre ich dieses Rennen? Wie stark ist mein Wille, mein Ziel zu erreichen? Hier wird es sehr persönlich. Jeder hat andere Quellen. Ich kann beten und loslassen. Dann gehe ich schlafen.

Vattenfall Cyclassics 2015 war für mich ein Jahr, wo alles geklappt hat. Wunderbar! Ein Mobile, das mir niemand mehr nehmen kann! Für mich auch nach der fünften Teilnahme ein Erlebnis, dass sich mit mir 20 000 diesem Stress aussetzen und so ein Rennen fahren. Toll!

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ein Kommentar

  1. […] Was vor dem Rennen alles schief gehen kann […]

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